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Die Milchviehbauern stehen erneut mit dem Rücken zur Wand. Der kurzzeitigen Erholung der Preise nach den massiven Protesten im Jahr 2008 folgte ein noch schlimmerer Verfall. Viele Landwirte stehen buchstäblich vor dem Aus. Im Rahmen einer Vorstandssitzung der Vogelsberger LINKEN wurde versucht den Ursachen dieser Entwicklung auf den Grund zu gehen und mögliche Alternativen diskutiert.

In einem kurzen Referat stellte Dietmar Schnell die Ausgangslage dar. Grundsätzlich gebe es eine Überproduktion von Milch in Europa. Die großen Molkereien und die Handelskonzerne nutzten diese Situation schamlos aus und zahlten inzwischen nur noch ca. die Hälfte dessen, was die Bauern bräuchten. Den Verbrauchern nun den schwarzen Peter zuschieben zu wollen, sei aber viel zu kurz gesprungen. „Die meisten Menschen in diesem Land haben in den letzten Jahren Reallohnverluste hinnehmen müssen, von Familien die auf Hartz-IV angewiesen sind, will ich gar nicht erst reden. Da muss jeder Pfennig dreimal umgedreht werden“, so Schnell. „Stattdessen brauchen wir endlich eine ernsthafte Diskussion, wie faire Erzeugerpreise am heimischen Markt gesichert werden können.“ Dabei dürfe es keine heiligen Kühe mehr geben. Über die Marktmacht des Lebensmitteleinzelhandels und der Molkereien müsse genauso gesprochen werden wie über ein Verbot des Verkaufs unter Einstandspreis, die Unterstützung der Milcherzeuger in benachteiligten Regionen oder die Förderung regionaler Veredlungs- und Vermarktungsstrukturen. Für diese Diskussion über die richtigen politischen Instrumente aber müsse zunächst das politische Ziel klar benannt werden. DIE LINKE bleibe bei ihrer Forderung nach Stärkung der regionalen Milcherzeugung, Veredlung und Vermarktung, kostendeckenden Erzeuger- und bezahlbaren Einzelhandelspreisen. Die Milchviehhaltung binde Arbeitsplätze, nutze das ökologisch wichtige Grünland und trage zur Wertschöpfung in Dörfern und kleinen Städte bei.

Wozu blinde Marktgläubigkeit und das Nachbeten des ganzen neoliberalen Unsinns geführt habe, sehe man nicht nur im Finanzsektor. Auch und gerade in der Landwirtschaft werde deutlich, dass der Kapitalismus nicht in der Lage sei, die heute zu lösenden Aufgaben anzugehen. Stets stehe der Profit im Vordergrund, die Menschen müssten darunter leiden. „Hier werden erneut ohne Rücksicht auf Verluste Existenzen vernichtet“, so Schnell weiter. Und die Kreispolitik sei, wie es zwei Zeitungen aus der Region formuliert hätten, ratlos. „Das ist ja nun nichts Neues, sondern eher die Regel, dass die Kreispolitik ratlos ist“, meinte Schnell abschließend. Von den Politikern aus CDU, FDP und FWG, aber auch von SPD und Grünen, könnten die Bauern keine Hilfe erwarten. Dort setze man nach wie vor auf den Markt und deren Rat sei folglich abwarten bis genügend Existenzen vernichtet seien, dann werde der Milchpreis auch wieder steigen. Das sei zutiefst menschenverachtend und ökonomisch wie ökologisch eine Bankrotterklärung.