Krankenhaus Alsfeld - kommunale Lösungen sind gefragt
Zwar wird im Vogelsberg inzwischen viel über Varianten der Krankenhausversorgung gesprochen, aber weder findet ein wirklicher Dialog statt noch bewegt sich in der Sache selber was.
Eigentlich wollten wohl die Geschäftsführung des Alsfelder Kreiskrankenhauses und Landrat Marx möglichst unbemerkt von einer öffentlichen Erörterung das Alsfelder Krankenhaus mit den Kliniken in Bad Hersfeld fusionieren.
Angeblich sprächen vor allem medizinische Synergieeffekte für einen solchen Schritt. Dies ist bisher aber kaum glaubhaft untermauert worden, es gibt auch ernst zu nehmende Argumente, die dies gerade bezweifeln. Medizinische Verzahnung ergäben sich schon eher mit den Kliniken in Gießen und Fulda, die für die Vogelsberger (vor allem, die auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind) auch besser erreichbar sind. Aber eine engere organisatorische Verzahnung mit den Kliniken in Gießen und Fulda ist aus guten Gründen nicht erwünscht.
Die Unikliniken gehören der Rhön-Kliniken-AG, einem der großen privaten Krankenhausunternehmen, deren erklärtes Geschäftsmodell auch darin besteht, sich den mittelhessischen Gesundheitsmarkt auf Kosten der niedergelassenen Ärzte und der kleinen Krankenhäuser zu erschließen. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Absicht, mit den Kliniken in Bad Hersfeld zu fusionieren eher betriebswirtschaftliche Bedeutung denn medizinische.
Aber auch dieses Fusion birgt die Gefahr, dass die Hersfelder als erheblich größere Einrichtung das Alsfelder Krankenhaus zur Portaleinrichtung degradieren, die ihnen dazu dient, Patientenströme aus dem Vogelsberg nach Bad Hersfeld zu leiten.
In dieser Situation bietet das Eichhof-Krankenhaus in Lauterbach, das von einer konfessionellen Stiftung betrieben wird, an, das Alsfelder Krankenhaus zu kaufen. Eine Fusion oder Kooperation mit dem Eichhof-Krankenhaus hätte den Charme, dass hier wirklich eine regionale und medizinische Vernetzung stattfinden könnte. Aber dieser Verkauf wäre eine fortschreitende Privatisierung der Vogelsberger Krankenhausversorgung.
Allerdings muss man bedenken, dass auch das Alsfelder Krankenhaus, obwohl es dem Vogelsbergkreis gehört schon weit auf dem Wege der Privatisierung ist. Vormals ein Eigenbetrieb des Kreises ist es, als Privatisierung bei Kommunalpolitikern als chick und modern galt, in einer GmbH umgewandelt worden. Heute werden die verschiedensten Dienstleistungen in Tochtergesellschaften ausgelagert, die mit privaten Mitgesellschaftern betrieben wird. Unter dem Druck der gegenwärtigen Gesundheitspolitik wird im Kleinen das genau kopiert, was bei den großen Gesundheitskonzernen schon heute zu beobachten ist: Lohnsenkung und Verdichtung der Arbeit für die Beschäftigten und industriell-rationalisierte Behandlung der Patienten und damit eine Verschlechterung der gesundheitlichen Versorgung.
Wenn man den Druck des Gesundheitsmarktes bei den kommunalen Krankenhäusern mildern will, dann muss man unbedingt Rekommunalisieren. Wenn das Alsfelder Krankenhaus in kommunaler Rechtsform wäre, ergäben sich immer noch vielfältige Kooperationsformen, auch mit dem Eichhof-Krankenhaus in Lauterbach
Eigentlich soll ja „zur Unterrichtung der Bürger über wichtige Angelegenheiten des Kreises in der Regel einmal im Jahr eine Bürgerversammlung abgehalten werden“, heißt es in der Geschäftsordnung des Kreistages. Bei einem so wichtigen Thema, wie der gesundheitlichen Versorgung wäre es doch mal an der Zeit, eine solche Bürgerversammlung einzuberufen.
M. Riese, Kreistagsabgeordneter
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